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NULLARBOR LINKS
Reisebericht der Familie Dietrich
Christine und ich haben im Rahmen einer mehrwöchigen Australienreise mit dem Camp Mobil (Darwin, Melbourne bis Perth) auch den „längsten Golfplatz der Welt“ gespielt - die NULLARBOR LINKS zwischen CEDUNA und KALGOORLIE im Süden Australiens : 1.365 km für 18 Löcher. Dabei ist in Abständen von ca. 50 km bis zu 200 km an den Raststationen (Road Houses) des EYRE-Highway jeweils ein Abschlag eingerichtet, am Startpunkt in Ceduna und am Endpunkt in Kalgoorlie sowie in Norseman spielt man zwei Löcher auf einem kompletten 18-Loch-Platz.

Am 31.12.2016 haben wir also den Start unserer Golfrunde in Ceduna mit einem opulenten Austernschmaus eingeläutet, uns drei Golfschläger (Vierereisen, Chipper und Putter zu je $ 10) sowie 20 Bälle (alles second hand) gekauft, die Startgebühr von ca. € 50 entrichtet, die Scorecards ausstellen lassen und dann ging's los.

Zunächst zur Orientierung: der NULLARBOR („Null Bäume“) ist eine Karstebene im südaustralischen Outback. Sie trägt diese Bezeichnung mit steppen- und Tundra ähnlichem Bewuchs allerdings nur bedingt zu Recht, denn lediglich etwa die Hälfte der Strecke entlang des EYRE-Highway führt durch baumloses Gebiet. Der Übergang von Wald auf „Null Bäume“ geschieht dann aber ziemlich abrupt innerhalb eines Kilometers. Die Ebene ist außerdem der trockenste Bereich Australiens: 200 mm Niederschlag pro Jahr, deutlich weniger als z.B. im bekannten Alice Springs mit dem Ayers Rock.

Zur Strecke: die NULLARBOR Ebene wird von einer zweispurigen Straße in Ost-/Westrichtung durchzogen, eben dem EYRE-Highway: immerhin durchgängig geteert, keine Leitplanken, max. 110 km/h, viele tote Kängurus (bei Nacht extrem gefährlich, die lebenden natürlich...). Die Straße dient nicht vorrangig den paar Touristen oder „crazy“ Golfern sondern dem Güterfernverkehr – häufig mit sogenannten „Road Trains“, dreigliedrigen Lkw-Gespannen, die in einigen Bereichen Australiens bis zu 53,5 m lang sein können und uns beim Vorbeirauschen jedes Mal etwas zur Seite versetzen (der Überholvorgang dauert eine halbe Ewigkeit). Die Strecke hat kaum Kurven und enthält auch das längste gerade Straßenstück Australiens mit 146,6 km – dass einem ein Auto begegnet kommt nicht sehr häufig vor, dass dies dann auch noch in einer Kurve geschieht hat eine geringere Chance als ein Lottogewinn … Die wenigen Raststätten („Road Houses“) verfügen in der Regel über eine Tankstelle, ein kleines Motel, ein Versorgungsgeschäft, ein Restaurant mit Bar und ein weitläufiges Gelände zum Parken, Platz ist ja genug da. Der Generator läuft 24 Stunden am Tag zur Stromversorgung und auch um Wasser zu fördern, die Orte sind völlig autark. Gelegentlich ist die Einwohnerzahl dieser „Orte“ angegebenen: sie liegt meist bei 15 bis 50, manchmal sind's aber auch nur 8 oder 12 ständige Bewohner! Und diese Road Houses unterhalten dann jeweils einen Abschlag der NULLARBOR LINKS, sie stempeln auch die Scorecards für das jeweilige Loch ab.

Nun zum Spiel selbst: man spielt über die Distanz von 1.365 km insgesamt 18 Löcher auf 15 „Golfplätzen“, d.h. an 12 Orten gibt es nur einen Abschlag - lediglich in Ceduna, Norseman und Kalgoorlie gibt es richtige Golfplätze, dort werden zwei Löcher gespielt. Man fährt also los und je nach Lust und Laune spielt man dann unterwegs ein Loch (Schläger wurden abwechselnd von Christine und mir benutzt, man hat ja viel, viel Zeit) oder fährt zum nächsten Abschlag weiter (50 bis 200 km) und spielt noch ein Loch - oder eben nicht … Wenn's dann genug ist, hält man an einem dieser Road Houses an, versorgt sich mit dem Nötigsten, trinkt noch ein Bierchen oder zwei an der Bar und verbringt die Nacht irgendwo auf dem „Parkplatz“ im Gelände. Gelegentlich bietet eine solche Raststation aber auch interessante Informationen. So kann man z.B. in Balladonia ein mannsgroßes Stück des NASA-Skylab besichtigen, das dort beim Absturz 1979 niederging (UNITED STATES ist in großen Lettern noch gut zu lesen). Zuvor waren 70 Tonnen dieses Monstrums nach dem Eintritt in die Erdatmosphäre nicht oder nur teilweise verglüht und westlich der australischen Küste in den Ozean gestürzt, der Rest dann über Balladonia. Der damalige US-Präsident Jimmy Carter hat sich nach dem Einschlag persönlich per Telefon beim Besitzer des Road Houses entschuldigt, weil dem das Skylab fast auf den Kopf gefallen wäre und sich zur Entschädigung für alle eventuellen Schäden bereit erklärt … schöne Geschichte, oder ?

Zum „Golfcourse“: alle Abschläge sind gleich ausgestattet (damit man sie auch findet). Sie bestehen aus einer weißen Bank, einem grünen Wellblechdach drüber und direkt am Abschlag einer ausführlichen Information über die Gegend und Historie des Ortes. Ferner sind natürlich alle Angaben über die jeweilige Bahn vorhanden wie Verlauf, Länge, Handicap etc. Die Bahnen sind nicht durchnummeriert sondern haben Bezeichnungen, die auf örtliche Besonderheiten hinweisen (z.B. erster Goldfund, größte Wombat-Ansiedlung, Wasserloch in der Nähe, erste Telegrafen-Station oder Skylab-Absturz etc.) - man lernt also auch noch was dazu beim Golfen. Wir haben die „LINKS“ von Ost nach West zwischen Ceduna (South Australia) und Kalgoorlie (Western Australia) gespielt.

Die Abschläge selbst sind meist ein paar Quadratmeter Teppichmatten oder Kunstrasen, manchmal auch einfach platt gewalzte Erde. Ein einziges Mal wurde neben einem Herrenabschlag auch ein Damenabschlag eingerichtet mit 100 m Unterschied!!! Die Greens sind ebenfalls Kunstrasen oder- teppich, viereckig oder rund und ausreichend groß, um sie aus 20 bis 50 m auch treffen zu können. Einige der Greens sind aber auch nur „Browns“ oder „Blacks“ mit Fahne drin, wenn's für den Kunstrasen nicht mehr gereicht hat. Die Bahnen sind zwischen 141 m und über 530 m lang und führen durch das natürliche Gelände. Die „Fairways“ sind eher abenteuerlich, über die gesamte Länge mehr oder weniger naturbelassen, gelegentlich mit Kängurus oder Emus als „Zuschauer“, Mitspieler Fehlanzeige. Und noch was: beim Bälle schlagen bzw. suchen im „rough“ muss man ständig aufmerksam nach unten schauen – es wird vor Schlangen gewarnt. Wir spielten auch in der Hitze nicht in Badeschlappen sondern in festen Schuhen, 75 % der australischen Schlangen sind giftig. Ach so, man ist - bis auf die richtigen Golfplätze (s.o.) - natürlich mutterseelenallein unterwegs. Nur auf dem Golfplatz in Norseman (s.o) haben uns zwei Miner aus der dortigen Goldmine vor dem zweiten Loch „durchspielen“ lassen (die waren am Abschlag mehr mit ihrem Bier beschäftigt..).

Krönender Abschluss dieser Golfrunde ist der Golfclub in Kalgoorlie, der Goldstadt am Rande des Outbacks. Dort werden auf einem traumhaften Gelände (mit Kängurus am Morgen und Abend, die sind ja sozusagen „dämmerungsaktiv“) die beiden letzten Löcher gespielt. Einzige Auflage was die Kleidung betrifft, die dort natürlich ohnehin ordentlich sein sollte: die Hemden MÜSSEN einen Kragen haben – sonst geht gar nix. Der Golfclub ist zwar privat - wird aber auch öffentlich betrieben - und scheint über sehr viel Geld zu verfügen: die Fairways und Greens sind „makellos“. Unsere beiden Löcher um 06:30 morgens waren wirklich ein Traum und wir hätten für ca. € 40 noch die anderen 16 Bahnen spielen können, allerdings bei über 40° gegen Mittag – trotzdem schade, dass wir's nicht getan haben, Zeit genug wäre gewesen.

Und nun noch ein Wort zum sagenhaften Pragmatismus der Australier – ohne den wären in diesem Land ohnehin viele Dinge einfach nicht möglich. Die medizinische Versorgung ist in solch abgelegenen Gebieten natürlich schwierig, aber man löst sie: auf der Straße sind alle paar hundert km Start-/Landebereiche für kleine Flugzeuge eingerichtet. Die Straße wird dazu einfach verbreitert (manchmal auch nicht) und die auch an Flughäfen üblichen Kennzeichnungen werden aufgebracht. Damit können die „Flying Doctors“, also fliegende Ärzte, zumindest einigermaßen in die Nähe der Patienten kommen - und der Verkehr ist ja dünn genug, dass sich Flieger und Auto schon einigen werden. Gelegentlich sind aber auch Graspisten zum Starten und Landen in der Nähe der Road Houses angelegt. Dort sind modernste Krankenwagen (Mercedes) stationiert, mit denen die Ärzte dann von der Straße oder Graspiste abgeholt und zum Patienten gefahren werden. Wir haben selbst einen solchen Einsatz an einem Road House erlebt (Gott sei Dank nicht an uns ...).

Dann war unser Golfabenteuer also am 06.01.2017 in Kalgoorlie zu Ende. Wir hatten in 6 Tagen alle 18 Löcher (mehr oder weniger erfolgreich) absolviert und unsere offizielle Urkunde über die erfolgreiche Absolvierung der NULLARBOR LINKS in der Tasche. Unser Handicap haben wir allerdings angesichts der außergewöhnlichen Platzverhältnisse deutlich verfehlt … Unsere „Siegesfeier“ fand dann einige Tage später mit einem Gläschen Sekt (Flasche natürlich!!!) 400 km weiter südlich am Strand von Esperance statt.